Posts mit dem Label Krippenbesuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Krippenbesuch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 2. Mai 2008

Wenn simple Korrelationen zu simplen Schlussfolgerungen führen....

...werden Kleinkinder in Spielgruppen untergebracht, auch wenn keine wissenschaftlich empirischen Belege für den Nutzen einer Kleinkindfremdbetreuung sprechen?

Peter Artmann, Diplom Biologe und Journalist im Gesundheitsbereich (http://www.artscience.de/), Blogger vom Medlog bei den Scienceblogs, hat die Empfehlung des BBC-Senders aufgegriffen und die Frage der Kleinkindunterbringung angesprochen: Kleinkinder in Spielgruppen senken ...
und damit wieder die Frage zum Nutzen und der Notwendigkeit eines Krippenbesuches aufgeworfen.

Wie bereits in den Blogbeiträgen:
besprochen, ist der Nutzen einer Fremdunterbringung bei Betrachtung mehrerer Faktoren - keinesfalls empirisch wissenschaftlich belegt. Meines Erachtens sprechen auch medizinische Gründe nicht für eine frühzeitige Krippenversorgung. Denn die Stärkung des Immunsystems lässt sich z.B. auch über einen Hund als Haustier lösen. (siehe: Ein Hund als Haustier schützt vor Allergien....)

Weiter gibt es noch viele offene Fragen, wie:
  • Welche Ursachenfaktoren führen zu Leukämieerkrankungen?
  • Sind die gefundenen Korrelationen durch Zufall erklärbar?
  • Seit wann existiert die Korrelation zwischen Leukämiefällen und Krippenbesuch?
  • Wie haben sich in der ehemaligen DDR, welche vor der Vereinigung geringe Allergikerzahlen verzeichnen konnte, die Leukämieerkrankungen entwickelt?
  • Wie lässt sich das Immunsystem anderweitig stärken?
  • Gibt es ähnliche Effekte, wenn Kinder mit Geschwisterkindern aufwachsen?
  • Reichen regelmässige Kontakte mit anderen Kindern, welche nicht über einen Krippenbesuch stattfinden?
So kann man an dieser Stelle Eltern nur den Rat geben, sich durch solche BBC-Ad-hoc-Nachrichten nicht unter Druck setzen zu lassen und das Für und Wider bzw. die tägliche Zeitdauer eines Krippenbesuches sorgfältig an ihren und den Interessen ihres Kindes/ihrer Kinder abzuwägen. Denn jedes Kind ist anders, jede familiäre Situation hat andere Erfordernisse und Bedürfnisse, so dass nicht generelle, sondern individuelle Lösungen gesucht werden sollten.

Familien, welche - aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten - ihren Kindern einen Krippenbesuch gar nicht ermöglichen können, brauchen sich über nachteilige Wirkungen auf ihre Kinder keine Gedanken machen ;-)

Weiterführende Informationen zu bereits in der Vergangenheit aufgestellten irreführenden "Korrelationsbeziehungen" bei anderen Erkrankungen:
Die Autismus-Ente

Masernimpfung, Fernsehen, Internet: Es gibt kaum eine Innovation des 20. Jahrhunderts, die nicht zu Autismus führen soll. Eine neue Studie untermauert jetzt die These, dass die Zunahme des Autismus eine scheinbare ist. Und ein neuer Taschen-PC hilft denen, die wirklich darunter leiden.

Mit medizinischen Statistiken zur Häufigkeit von Erkrankungen ist es immer so eine Sache. Sie werden meist von Organisation erhoben und publiziert, die ein gewisses Interesse daran haben, "ihre" Erkrankungen im Gespräch zu halten - mit der Konsequenz, dass es kaum Erkrankungen zu geben scheint, deren Häufigkeit nicht entweder dramatisch zunimmt oder auf selbstverständlich hohem Level stabil ist.
weiter hier: Autismus-Epidemie und die Suche nach dem Schuldigen

Mittwoch, 5. März 2008

Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? Spiegel-Titelstory: Wieviel Mutter braucht das Kind? (3)

ad 2.) Fragwürdige Aussagen der Wissenschaftler in der Spiegel-Titelstory: Die "verwendeten" Aussagen von Frau Prof. Dr. Ahnert:

Zwischenzeitlich ist die Titelstory bald schon wieder Vergangenheit, allerdings wird so manche darin enthaltene Feststellung dennoch in den Köpfen von Eltern und ErzieherInnen nachwirken........

Heute möchte ich insbesondere auf die Verfälschung entwicklungspsychologischer Tatsachen durch die verwendeten Zitate von Frau Prof. Dr. Ahnert eingehen: Sie hat für den NRW-Landtag zu diesem Thema eine Expertise verfasst. Allerdings:

Die von Prof. Dr. Ahnert (insbesondere Expertise S. 7) für den NRW-Landtag abgefasste Expertise liest sich hier weitaus differenzierter, als die von ihr zitierten "verallgemeinerten" Aussagen in der Spiegel-Titelstory:

So weist sie zu Recht darauf hin, dass sichere Bindungen eine wichtige Grundlage für die spätere psychische Widerstandsfähigkeit (sog. Resilienz) darstellt : In der Entwicklungspsychologie ist unbestritten, dass eine sichere „mütterliche“ Bindung (womit auch „mütterlich“ sorgende Väter oder ggf. häufig anwesende „mütterliche“ Betreuungspersonen gemeint sind) für die Entwicklung zur Bewältigung von Ängsten und Frustrationen notwendig sind. Dieses so genannte „Urvertrauen“ ist eine wichtige „Entwicklungsbasis“, welche durch die warmherzige Fürsorge erwachsener Bindungspersonen wachsen kann.

Jedoch tendiert Frau Ahnert in ihrer Expertise zu der These, dass die "mutterlastige" Betreuung eine entwicklungspsychopathalogische Entwicklung fördere (Zach 1999). Auffällig bei solchen Thesen ist, dass dafür nur ein Autor herangezogen wird und diese These von seriösen psychologischen Studien nicht belegt wird.

Denn:

Diese These steht ja auch im Widerspruch zur sog. Entwicklung der Resilienz. Der Hinweis in Frau Ahnert`s Expertise auf eine Förderung einer entwicklungspsychopathalogischen Entwicklung, wenn die Betreuung „mutterlastig“ sei, findet ausschließlich in Fällen einer „Überbehütung“ und starken „Verwöhnung“ eine Bestätigung in wissenschaftlichen Studien. Die Behauptung,bzw. der Eindruck welcher hier erweckt wird, nämlich, dass generell eine „mutterlastige“ Betreuung negative Entwicklungen des Kindes fördere ist also so gesehen nicht korrekt.

Frau Ahnert plädiert in ihrer Expertise für Kita-Besuche ab 1,5 Jahren, wobei der Leser das Augenmerk auf die zahlreichen von ihr vorgetragenen expliziten und impliziten Hinweise für die Bedeutung der Betreuungsqualität in Kindergärten für Noch-Babys und Kleinkinder richten sollte!

FAZIT:
Die warmherzige, nicht überbehütende mütterliche Betreuung durch eine nahestehende Bindungsperson ist für ein Kleinkind nach wie vor die beste Entwicklungsvoraussetzung.
Wenn diese Entwicklungsvoraussetzung allerdings im Elternhaus des Kindes nicht geleistet werden kann, ist eine frühe, ergänzende "mütterliche" Fremdbetreuung solcher Kinder in öffentlichen Einrichtungen auf alle Fälle zu empfehlen. Dieser Aspekt ist durch entsprechende Studien auch wissenschaftlich belegt worden.

Montag, 3. März 2008

Undurchsichtige Bertelsmann-Studie zum angeblichen Nutzen des Krippenbesuches

Die Bertelsmann Stiftung behauptet aktuell, man habe - entgegen bisheriger mehrfacher! Forschungsergebnisse - nun einen direkten Zusammenhang zwischen Krippenbesuch und Schulerfolg herstellen können:

Allerdings bleiben die Hintergründe in dem vorgelegten "Forschungsbericht" verborgen (Bertelsmann-Forschungsbericht: hier):

16% der Kinder (Jahrgänge 1990-1995) haben lt. Studie überhaupt eine Kinderkrippe besucht. Ungefähr die Hälfte davon ab dem 1., die andere Hälfte ab dem zweiten Lebensjahr.
Nun wird gemessen, welcher Prozentsatz dieser Jahrgangsgruppen das Gymnasium besucht(=ca. 40%).
Unklar bleibt, wie nun in der Studie jene 16% Krippenkinder auf den Schulerfolg der 40% Gymnasiasten gerechnet wird?


Ebenso bleibt unklar, welche Bezugsgrößen verwendet wurden:
Da nur Kinder eine Kindergrippe besuchen können, welche in der Regel Eltern mit ausreichendem Einkommen haben (z.B. Akademiker), könnte das Ergebnis auch auf ein Artefakt zurückzuführen sein.
Da davon ausgegangen wird, dass Intelligenz mindestens zu 50% genetisch bedingt ist und Kinder in Akademikerhaushalten sowieso besser gefördert werden, könnte das Ergebnis schlicht auch nur belegen, dass "Akademikerkinder" häufiger das Gymnasium besuchen.....

Ziel der Studie soll die Berechnung eines volkswirtschaftlichen Nutzens eines Krippenbesuches sein.

Für Außenstehende wird leider nicht erkenntlich, wie genau die Studienergebnisse erzielt wurden.

Da bisherige Studien - ausschließlich für Kinder aus sozial schwachen Familien einen Zusammenhang zwischen Schulerfolg und Kindergartenbesuch! belegen konnten - bleibt abzuwarten, auf welche Art und Weise die Verantwortlichen hier zu den Studienergebnissen gekommen sind.....

Einige Hinweise finden sich z.B. in diesem Vortrag von Prof. Dr. Dollase (Universität Bielefeld)

Ganzheitliche Erziehung im Kindergarten Vom Langzeitschaden einer Früheinschulung

sowie Hintergründe aus pädagogisch-psychologischer Sicht im Vortrag von Prof. Dr. Dollase:
Ganzheitliche Erziehung im Kindergarten - vom Langzeitschaden einer frühen Verschulung

Samstag, 1. März 2008

Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? Das Einzelfallbeispiel "dänischer Kindergarten" (2)

*pixelio Claudia35
Wie versprochen widme ich mich in meinem Beiträgen den einzelnen Punkten in der Spiegel-Titelstory:
Heute habe ich mir ein im Essay geschildertes Einzelfallbeispiel mit "Vorbildcharakter" (als Untermauerung der Spiegel-Titelstory-Thesen) vorgenommen:
"Ein Blick ins Ausland hilft, die Sorgen zu zerstreuen. Bei den Nachbarn der Deutschen, in Dänemark etwa oder in Frankreich, grassiert keineswegs die innere Zersetzung, obwohl dort seit langem die Betreuung kleiner Kinder außerhalb der Kernfamilie nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich begrüßt wird. Den Eltern geht es gut damit - und den Kleinen augenscheinlich auch." (Spiegel Nr.9/2008, S. 43)

Nach dieser Feststellung folgt in der Titelstory der "Heile-Welt-Bericht" über den Kindergartenbesuch der drei Kinder (5,3 und 1 Jahr alt)in einem dänischen Kindergarten.

Was dabei unterschlagen wird?
Dänische Kindergärten arbeiten anders als deutsche und sie verfolgen andere Erziehungsziele:

1. Verhältnis Kinder - Erzieher
bei 1-3-Jährigen sind es im allerhöchsten Fall 6 Kinder, welche von einem Erzieher betreut werden.
bei den 3-6 -Jährigen sind es maximal 10 Kinder

2. Die Art der Betreuung
Dänische Erzieher sehen sich als Betreuungs- und Begleitpersonen ihrer Schützlinge. Sie arbeiten frei von irgendwelchen "Bildungserwartungen" und überzogenen Bürokratien. Sie haben Zeit sich an den Wünschen, Bedürfnissen und Nöten ihrer Kleinen zu orientieren, d.h. im dänischen Kindergarten werden die Kinder von den Erziehern eher "bemuttert".

3. Die Erziehungsvorstellungen
In Dänemark sind die Kindergärten frei in der Gestaltung. Sie entwerfen jeweils ihre eigenen Ziele. Im Vordergrund steht die enge "Zusammenarbeit" und der enge Austausch mit dem Elternhaus und den Kindern. Damit sind Kindergärten dort eher "erweiterte familiäre Verhältnisse".

4. Das Beispiel dennoch nur eines unter vielen
Auch in Dänemark gibt es Kitas in völlig unterschiedlicher Qualität

5. Veränderungen seit "PISA" auch in Dänemark
Da in Dänemark, ebenso wie in anderen Ländern seit PISA eine "Bildungsaufbruchstimmung" existiert, bleibt auch meine Beschreibung - ebenso wie die Schilderung im Spiegel nur eine Momentaufnahme von eventuell zwischenzeitlich nur noch sehr wenigen Kindergärten......

Ein Grund mehr, warum solche Momentaufnahmen nicht zur Untermauerung irgendwelcher Erziehungshypothesen geeignet sind......

Dienstag, 26. Februar 2008

Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? : Spiegel-Titelstory "Wie viel Mutter braucht das Kind?" (1)

"Recherche ist Luxus! Nachdenken auch? » Mehr oder minder läßliche Sünden des konventionellen Journalismus" so titulierte Marc Scheloske in seinem Blog Wissenswerkstatt die Oberflächlichkeiten des konventionellen Journalismus und nahm auch "renommierte" Blätter wie FAZ, SZ, FR, Spiegel und Co. aus seiner Kritik nicht heraus.

Leider zu Recht, wie die aktuelle Spiegel-Titelstory "Krippe oder Kinderzimmer" - Wie viel Mutter braucht das Kind? zeigt:
"Glaubenskrieg ums Kind" so lautet dann auch die Überschrift. Das Blatt mit dem Ziel aufzuklären und kritisch zu sein, kündigt darin an:"Wissenschaftler klären, wie viel Mama das Kind wirklich braucht - und warum die Kitas dringend besser werden müssen"

Für Fachleute bleibt allerdings nicht viel übrig, als ein auf 11 Seiten praktiziertes redundantes Hin- und Her zwischen Einzelfallbeispielen, Forschungsergebnissen aus den USA (ohne nähere Quellenangaben), aus dem Zusammenhang gerissene Einzelkommentare ausgewählter WissenschaftlerInnen und "Stimmen" des populistischen Buchmarktes.

Heraus kommt eine bunte Mixtur im Paella-Charakter zwischen nicht repräsentativen Einzelfallbeispielen, oberflächlich verarbeiteten Forschungsergebnissen und den Kommentaren bzw. persönlichen Meinungen der Wissenschaftler, sowie radikal-tendenziösen, abschreckenden historischen "Anschauungsbeispielen". So möchten die Autorinnen belegen, dass ihr reißerisch formulierter Titel mit der zentralen Frage: "Werden die kleinen zu Seelenkrüppeln, wenn Fremde sie betreuen"? durch die Wissenschaft eindeutig widerlegt sei.........

Die Methodik der Darstellung braucht einen Vergleich mit werbetechnischen "Manipulationstechniken" nicht scheuen. Für interessierte Sozialpsychologen gäbe es einiges zu analysieren: z.B. wie Mütter, welche in den ersten Lebensjahren ihren Aufgabenbereich in der Betreuung ihres Kindes sehen, zu "rückständigen" Überglucken" abgestempelt werden und modernen "Karrierehühnern" angeblich - wissenschaftlich belegt - das Zepter gereicht wird.

Die Autorinnen des Artikels "Andrea Brandt, Rafaela von Bredow und Merlind Theile" vermeiden eine wissenschaftliche Analyse und hauen dem Leser ein gelungenes Beispiel für ihren Standpunkt (pro Kita bereits im Kleinkindalter) nach dem anderen um die Ohren. Die angeblichen Forschungsergebnisse betreffen bei näherem Hinsehen nur ganz bestimmte Betreuungsverhältnisse im Ausland und gelten gar nicht für Kinder, welche in Deutschland zuhause von ihren Müttern betreut werden.

Meinen Beitrag werde ich, der Übersichtlichkeit wegen, aufteilen und heute nur in Stichworten die "Schwachpunkte" der pseudowisenschaftlichen "Spiegel-Analyse" vorstellen. Details werde ich in den folgenden Beiträgen behandeln.

1. Die vorbildlichen Einzelfälle:
Die im Spiegel vorgestellten Fälle betreffen außergewöhnliche und gelungene Einzelsituationen. Da die Kleinkind- und Vorschulkindergärten in unserem Land schlecht ausgestattet sind und mit wenig (qualifiziertem) Personal auskommen müssen, werden Beispiele aus dem Ausland herangezogen.
Allerdings sind Einzelfälle niemals Belege für wissenschaftliche Hypothesen. In der Spiegel-Story werden die Einzelfälle aber so behandelt.

2. Die befragten Wissenschaftler:
Die erwähnten Wissenschaftler kommen an passender Stelle mit Aussagen zu Wort, welche keine detaillierten Forschungsergebnisse, sondern nur Einzelmeinungen enthalten. Damit ist allerdings auch die wissenschaftliche Basis sehr dünn: Auch wenn die Doktoren- und Professorentitel beeindrucken, so können diese keine wissenschaftlichen Studien ersetzen.
Auf die Aussagen bzw. Forschungen der genannten Wissenschaftler komme ich in meinem nächsten Beitrag zurück.

3. Die wissenschaftlichen Belege
Erwähnt werden hier insbesondere amerikanische Studien, da zu diesem Thema so gut wie keine deutschen Studien vorliegen. Im Artikel fehlen detaillierte Angaben. Die Autorinnen scheinen die genannten Studien selbst nicht gelesen zu haben, ansonsten hätten sie darüber nachdenken müssen, dass in Amerika völlig andere Verhältnisse in den öffentlichen Erziehungseinrichtungen herrschen, welche so nicht auf unsere übertragen werden können. Weiter wurden Einzelergebnisse unreflektiert herangezogen und auf das gewünschte Ergebnis bezogen.

Begriffsverwendungen wie "Babypsychologe" zeigen, dass die Autorinnen wohl wenig Kenntnisse über die hier zur Beurteilung der Sachlage notwendigen Wissenschaftsgebiete haben. Denn bislang gibt es noch keine "Babypsychologen" ;-))