Wie versprochen widme ich mich in meinem Beiträgen den einzelnen Punkten in der Spiegel-Titelstory:
Heute habe ich mir ein im Essay geschildertes Einzelfallbeispiel mit "Vorbildcharakter" (als Untermauerung der Spiegel-Titelstory-Thesen) vorgenommen:
"Ein Blick ins Ausland hilft, die Sorgen zu zerstreuen. Bei den Nachbarn der Deutschen, in Dänemark etwa oder in Frankreich, grassiert keineswegs die innere Zersetzung, obwohl dort seit langem die Betreuung kleiner Kinder außerhalb der Kernfamilie nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich begrüßt wird. Den Eltern geht es gut damit - und den Kleinen augenscheinlich auch." (Spiegel Nr.9/2008, S. 43)
Nach dieser Feststellung folgt in der Titelstory der "Heile-Welt-Bericht" über den Kindergartenbesuch der drei Kinder (5,3 und 1 Jahr alt)in einem dänischen Kindergarten.
Was dabei unterschlagen wird?
Dänische Kindergärten arbeiten anders als deutsche und sie verfolgen andere Erziehungsziele:
1. Verhältnis Kinder - Erzieher
bei 1-3-Jährigen sind es im allerhöchsten Fall 6 Kinder, welche von einem Erzieher betreut werden.
bei den 3-6 -Jährigen sind es maximal 10 Kinder
2. Die Art der Betreuung
Dänische Erzieher sehen sich als Betreuungs- und Begleitpersonen ihrer Schützlinge. Sie arbeiten frei von irgendwelchen "Bildungserwartungen" und überzogenen Bürokratien. Sie haben Zeit sich an den Wünschen, Bedürfnissen und Nöten ihrer Kleinen zu orientieren, d.h. im dänischen Kindergarten werden die Kinder von den Erziehern eher "bemuttert".
3. Die Erziehungsvorstellungen
In Dänemark sind die Kindergärten frei in der Gestaltung. Sie entwerfen jeweils ihre eigenen Ziele. Im Vordergrund steht die enge "Zusammenarbeit" und der enge Austausch mit dem Elternhaus und den Kindern. Damit sind Kindergärten dort eher "erweiterte familiäre Verhältnisse".
4. Das Beispiel dennoch nur eines unter vielen
Auch in Dänemark gibt es Kitas in völlig unterschiedlicher Qualität
5. Veränderungen seit "PISA" auch in Dänemark
Da in Dänemark, ebenso wie in anderen Ländern seit PISA eine "Bildungsaufbruchstimmung" existiert, bleibt auch meine Beschreibung - ebenso wie die Schilderung im Spiegel nur eine Momentaufnahme von eventuell zwischenzeitlich nur noch sehr wenigen Kindergärten......
Ein Grund mehr, warum solche Momentaufnahmen nicht zur Untermauerung irgendwelcher Erziehungshypothesen geeignet sind......